16. Juni 2015

14.06.2015, Forum am Schlosspark, Ludwigsburg

In Ludwigsburg finden derzeit die alljährlichen Schlossfestspiele statt. Unter dem Motto "Grenzgänge" trat Rufus Wainwright vergangenen Sonntag zusammen mit der Opernsängerin Angelika Kirchschlager auf. Kirchschlager ist ein bekennender Fan von Rufus, und auch Rufus bewundert sie. Der gemeinsame Auftritt war dann auch von gegenseitigem Respekt und Herzlichkeit geprägt.

Wie der Intendant der Festspiele in seiner Einführung vor dem Konzert sagte, ging es bei dem Konzert um einen Rollentausch. Jeder der beiden Künstler würde sich des Repertoires des anderen annehmen, dabei aber seine eigene Identität wahren. Er schaffte es recht gut, dem Publikum nahezubringen, dass es sich bei Rufus nicht um einen gewöhnlichen Popkünstler handelt. Er erzählte auch, dass er beim vorabendlichen gemeinsamen Essen von Rufus' Wissen über die verschiedensten Komponisten beeindruckt war.

Nun würde so ein Projekt mit einem gewöhnlichen Popkünstler und dessen Repertoire wohl auch nicht funktionieren.

Kirchschlager, die neben Opernrollen auch gerne klassische Lieder singt, eröffnete das Konzert mit Rufus' Songzyklus "All Days Are Nights: Songs for Lulu". Dieser hat ja mehr mit klassischen Liedern gemeinsam als mit gewöhnlichen Popsongs. Begleitet wurde sie von einer klassischen Pianistin. Es war schon faszinierend, diese Lieder, die Rufus' sechstes Studioalbum bilden, in so einer klassischen Inszenierung zu hören. Sowohl Kirchschlager als auch Rufus, der ihrem Auftritt im Publikum lauschte und anschließend auf die Bühne kam, wurden reichlich mit Applaus belohnt.

Nach einer kurzen Pause hatte Rufus seinen großen Auftritt. Er war sichtlich nervös, als er die Bühne betrat und Mikrofon- und Notenständer zurechtrückte. Schließlich würde er gleich den Liederzyklus "Les nuits d'été" von Hector Berlioz singen. Auch er wurde von besagter Pianistin begleitet. Für mich als Klassiklaie hat er seine Aufgabe gut gemeistert. Er klang glaubwürdig und authentisch. Das Publikum dankte es ihm mit frenetischem Applaus.

Danach ging es gemeinsam etwas lockerer weiter, unter anderem mit Liedern von Kurt Weill und Rogers & Hammerstein, darunter auch ein deutschsprachiges Lied. Das Publikum war amüsiert von Rufus' Mühe mit dem deutschen Text. Zwischendurch setzter er sich auch mal ans Klavier und sang "The Art Teacher". Auch beim gemeinsamen "Hallelujah" zum Abschluss saß er natürlich am Klavier.

Überhaupt hat Rufus - ganz er selbst - das Ludwigsburger Publikum mit seinem Charme und Humor bezirzt. Er ließ es sich auch nicht nehmen, seinen deutschen Ehemann zu erwähnen und die Tatsache, dass dessen Eltern im Publikum saßen.

Wer nun neugierig geworden ist, hat am 5. Juli in Wien noch die Möglichkeit, Angelika Kirchschlager und Rufus Wainwright zusammen auf der Bühne zu erleben.

22. November 2014

Rufus App

Kommenden Freitag kommt die offizielle Rufus App heraus, erhältlich für iOS und Android. Sie soll Zugang bieten zu exklusivem Material. Kosten wird dieser Zugang vermutlich schon etwas. Eben was für Hardcore-Fans. Zum pflegen der Rufus-Obsession. Das muss ich mir anschauen.

Hier die Ankündigung auf seiner Website:
http://www.rufuswainwright.com/rufus-new-app-out-november-28/

20. September 2014

BBC Proms

Die BBC Proms sind ein berühmtes klassisches Musikfestival, das jedes Jahr für acht Wochen in Großbritannien, hauptsächlich in London in der Royal Albert Hall, stattfindet. Doch es werden auch nicht-klassische Künstler eingeladen.

Dieses Jahr trat Rufus Wainwright dort auf, am 11.09. in der Royal Albert Hall und am 13.09. im Hyde Park, beides mal mit Symphonieorchester. Das Konzert in der RAH dauerte 90 Minuten. Er sang seine Songs, zum Teil mit neuen Orchestrierungen, und zwei seiner Arien aus seiner ersten Oper Prima Donna wurden von einer Opernsängerin gesungen. Im Hyde Park performte er drei seiner Songs.

Momentan kann man die Auftritte noch unter folgenden Links hören bzw. anschauen.

Late Night with Rufus Wainwright:
http://www.bbc.co.uk/proms/whats-on/2014/september-11/15142

Rufus Wainwright at Proms in the Park:
http://www.bbc.co.uk/events/e554wh/acts/apm4wh#p026r2x8

Auf Youtube gibt es ein Video von Going to a Town im Hyde Park:
https://www.youtube.com/watch?v=-J2UH_C64ZY

17. Juni 2014

If I Loved You

If I Loved You: Gentlemen Prefer Broadway ist ein Konzert, das Rufus Wainwright für das diesjährige Luminato Festival in Toronto auf die Beine gestellt hat, das Festival, dessen künstlerischer Leiter sein Ehemann Jörn ist. Es fand vergangenen Samstag statt. Neben Rufus waren Sänger wie David Byrne, Josh Groban und Boy George beteiligt, ein Ensemble von auschließlich männlichen Künstlern. Gesungen wurden, wie der Name vermuten lässt, Broadway Songs. Ein paar Solosongs, aber hauptsächlich Duette.

Das besondere dabei war, dass Duette, die normalerweise von einer Frau und einem Mann gesungen werden, hier von zwei Männern gesungen wurden. Auch die aufgeführten Solosongs werden normalerweise von Frauen gesungen. Sehr schön ist natürlich, dass Rufus hierfür nicht nur homosexuelle Künstler, sondern auch heterosexuelle Künstler gewinnen konnte.

Hätte das Luminato Festival nicht so einen guten Draht zu Rufus, hätte die Hollywood Bowl ihnen die Premiere des Konzertes vor der Nase weggeschnappt, wie Jörn bei der Programmankündigung sagte. Die Chancen sind hoch, dass das Konzert dort und vielleicht auch in anderen Städten wiederholt wird.

6. April 2014

I Don't Know What It Is

Rufus Wainwright kam die Idee für "I Don't Know What It Is", als er auf einer Party für eine hippe Band war. Es lag gleichermaßen Spannung und Ratlosigkeit in der Luft, als hätte man das Gefühl, dabei sein zu müssen, aber wüsste nicht so recht, was vor sich geht. Später wurde ihm klar, dass diese Stimmung seinem eigenen Lebensgefühl entsprach.

In dem Song geht es dann auch um Ziellosigkeit, Verlorenheit, Auf-Der-Suche-Sein, aber auch darum, Altes hinter sich zu lassen und einen Neubeginn zu wagen. Man ist auf der Suche, aber weiß nicht, wonach man sucht. Man weiß noch nicht so recht, wo es hingeht, aber man weiß, man muss den Schritt wagen. Kurz nachdem er diesen Song schrieb machte Rufus den ersten Schritt um sein Leben in den Griff zu kriegen.

Die Studioversion von "I Don't Know What It Is" ist reichhaltig instrumentiert und orchestriert. Das Stück entfaltet mehr und mehr Momentum, um dann ganz zum Schluss wieder etwas ruhiger zu werden. Es ist einer der Songs, von denen man nicht denken würde, dass sie nur mit Gesang und Klavier funktionieren könnten. Doch Rufus wäre nicht Rufus, wenn er uns nicht eines Besseren belehren würde.

Auf seiner aktuellen Best-Of-Tour, bei der er solo auftritt, spielt er das Lied am Klavier, ganz ohne sonstige Begleitung. Das Ergebnis ist grandios und faszinierend. Dazu trägt auch sehr viel seine unglaubliche Stimme bei. Es ist ein Markenzeichen, dass seine Songs sowohl mit reichhaltiger Orchestrierung als auch mit reiner Klavier- oder Gitarrenbegleitung funktionieren und faszinieren. Selten aber hat er das so eindrucksvoll gezeigt.

IDKWII bei iTunes: I Don't Know What It Is - Want One

Live-Mitschnitt vom Konzert in Berlin: https://www.youtube.com/watch?v=_9yCyokHkac

30. März 2014

26.03.2014, Apostel-Paulus-Kirche Schöneberg, Berlin

Endlich war es so weit - ich würde Rufus solo sehen, ohne Band, nur er und sein Klavier und seine Gitarre. Ein wenig zusätzliche Unterstützung kam jedoch von seiner Halb-Schwester Lucy Wainwright Roche, die auch das Vorprogramm bestritt.

Lucy hat eine wunderschöne, glasklare Stimme. Sie wirkt sehr natürlich und humorvoll. Während Rufus' Auftritt kam sie verkleidet als Liza Minelli auf die Bühne und sang mit ihm den neuen Song "Me and Liza". Liza und Rufus zankten sich dann auch ein wenig auf der Bühne - auf deutsch. Nein, man hat nicht alles verstanden. Lucy kam dann noch einmal ohne Verkleidung während der Zugaben auf die Bühne und sang mit Rufus "Pretty Things" und "Hallelujah". Sehr schön.

Apropos Deutsch: Rufus erklärte uns freundlicherweise, wer daran schuld ist, dass er trotz deutschem Ehemann immernoch kaum Deutsch kann. Es sind natürlich wir Deutschen, die alle so gut Englisch können, einschließlich seines Ehemannes Jörn. Da hat er es ja gar nicht nötig, Deutsch zu lernen.

Nach einiger Zeit Warten vor der Kirche hatte ich einen Platz in der ersten Reihe auf der linken Seite ergattert und konnte Rufus wunderbar beim Klavierspielen auf die Hände schauen. Er war gut gelaunt und bei guter Stimme und legte einen annähernd perfekten Auftritt hin. Auch seinen berühmten Charme versprühte er großzügig. Als er dastand und seine Gitarre stimmte, meinte er, sein früherer Gitarrentechniker würde gerade mit Joan Wasser touren und im Publikum sitzen, so dass er das jetzt halt selber machen müsse, so gut er kann. Er versuchte auch daran zu denken, brav zu sein, da wir ja in einer Kirche waren. Ganz geglückt ist ihm das nicht. Da rutschte ihm z. B. ein "fuck them" heraus, gefolgt von "oops, we're in a church".

Die meisten Songs die er spielte - mindestens einen von jedem Studioalbum und ein paar neue - hatte ich noch nicht live gehört. Aber vor allem war dieses puristische Setting einfach wundervoll. Seine grandiose Stimme erfüllte ungestört den Raum und man konnte sein Klavierspiel genießen, ohne dass es von anderen Instrumenten übertönt wurde. Besonders beeindruckt hat mich "I don't know what it is". Der Song ist auf dem Album reich instrumentiert und orchestriert, geradezu furios. Man kann sich kaum vorstellen, dass der auch nur mit Klavierbegleitung funktioniert. Doch was Rufus nur mit Stimme und Klavier daraus gemacht hat, war faszinierend.

Der Abend endete schließlich mit einer Sonderzugabe.

14. März 2014

Pledge für Rufus

Rufus Wainwright hat einen Traum. Er möchte seine erste Oper "Prima Donna" aufnehmen. Doch qualitativ hochwertige Opernaufnahmen sind teuer. Da sind die Plattenfirmen zögerlich. Nun hat Rufus die Sache selbst in die Hand genommen und ein Projekt bei PledgeMusic eingestellt. Ziel des Projektes ist es, einen Mindestbetrag zusammenzubekommen, mit dem die Aufnahme bewerkstelligt werden kann, und zwar, indem genügend Menschen vorab CDs, LPs oder Exklusivleistungen bestellen. Man wird zum 'Pledger' und reserviert sich z. B. eine signierte Doppel-CD, einen der Taktstöcke, die der Dirigent bei den Aufnahmen verwenden wird, oder einen Opernbesuch mit Rufus persönlich. Wenn das Projekt zustande kommt, durch Erreichen des Mindestziels, wird der entsprechende Betrag abgebucht. Man hilft Rufus, sein Projekt zu verwirklichen, und bekommt dafür eine Gegenleistung. Wer sich beteiligen möchte, kann das unter folgendem Link tun.

Prima Donna: The Album

15. Dezember 2013

Tour 2014

Vibrate: The Best Of Rufus Wainwright wird am 3. März 2014 erscheinen. Es wird eine Standard- und eine Deluxe-Version geben. Pünktlich zum Erscheinen bricht Rufus zu einer Europatour auf. Vom 4.3.14 bis 10.4.14 finden 23 Konzerte in 20 Ländern statt. Am 26.3.14 spielt er in Berlin, in der Apostel Paulus Kirche in Schöneberg. Karten gibt es bei Eventim.

2. Dezember 2013

Projekte

Auf Planet Rufus geht es geschäftig zu, auch wenn man auf das nächste Studioalbum wohl noch ein Weilchen warten muss. Kommendes Frühjahr kommt erst mal eine Art Greatest Hits Album heraus.

Vor kurzem nahm Rufus mit Robbie Williams ein Duett für dessen neues Swing-Album auf. Er ist zusammen mit Robbie auf dem Titelsong "Swings Both Ways" zu hören, den er mitgeschrieben hat. Auch beim Konzert im Londoner Palladium trat Rufus mit Robbie auf. Das Ergebnis kann man sich hier anhören.

Außerdem schreibt Rufus gerade im Auftrag der Modedesigner Viktor & Rolf die Musik zu einem Musical. Darin geht es um Freundschaft und Premiere soll kommenden Juni beim Holland Festival sein.

Das größte und langfristigste Projekt aber ist seine zweite Oper namens "Hadrian". Darin geht es um Kaiser Hadrian, seine Liebe zu dem griechischen Jüngling Antinoos und seine Trauer nachdem dieser im Nil ertrank. In Auftrag gegeben wurde das Werk von der Canadian Opera Company in Toronto, Kanada. Die Premiere ist für den Auftakt der Saison 2018/2019 geplant.

19. Oktober 2013

Durch die Nacht mit ...

Durch die Nacht mit Francesco Vezzoli und Rufus Wainwright. Ort: Rom. Wer mit dabei sein möchte hat dazu am 02.11.13 um 23:50 h auf Arte Gelegenheit. Unter anderem wandeln die beiden auf den Spuren des römischen Kaisers Hadrian. Dieser soll in Wainwrights zweiter Oper eine bedeutende Rolle spielen.

Mehr Infos und ein paar Ausschnitte gibt es hier.

22. Juli 2013

40

Festliche Stimmung auf Planet Rufus, denn heute gibt es einen runden Geburtstag zu feiern. Rufus wird heute 40!

Dem Geburtstagskind alles Gute. Möge er gesund, glücklich und kreativ bleiben.

Zur Feier des Tages gibt es natürlich Kuchen:

Orangentorte

24. Februar 2013

This Love Affair

Die traurigsten Songs sind oft die schönsten. In dem melancholischen Song "This Love Affair" geht es um das Ende einer Liebesaffäre, doch das ist nur eine Metapher für das Ende eines Lebensabschnittes. Der Protagonist macht sich auf in ein neues Leben, das alte war zu selbstzerstörerisch. Er weiß noch nicht, wohin er geht, nur weg von dieser 'Liebesaffäre', diesem Lebensabschnitt.

Offensichtlich entstand auch dieses Lied, als Rufus Wainwright seine Drogensucht bekämpfte. Es landete dann auch auf dem zweiten Want-Album, das 2004 erschien.

"This Love Affair", wiederum von klassischer Musik inspiriert, weist eine schwermütige Klavierbegleitung auf. Diese, Rufus' authentisch emotionale Stimme und die Melodie verkörpern die Melancholie perfekt. Diese langen, sehnsüchtigen Noten sind herzergreifend. Rufus ist ein Meister darin, echte Gefühle in Musik umzusetzen.

http://www.youtube.com/watch?v=YpN3UP0IWX8
This Love Affair - Want Two

27. Januar 2013

Berlinale 2013

Die 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 7. bis 17. Februar 2013 statt. In der Sektion Panorama läuft der Dokumentarfilm Sing Me the Songs That Say I Love You - A Concert for Kate McGarrigle von Lian Lunson. Die Aufführungen finden am 14., 15. und 16. Februar statt. An den ersten beiden Terminen wird es auch eine Frage-und-Antwort-Session mit Regisseurin Lian Lunson und Rufus und Martha Wainwright geben. Präsentiert wird der Film von keinem geringeren als Wim Wenders. Das verkündet das offizielle Berlinaleplakat des Films. Er fungierte auch als einer der Co-Produzenten.

Der Film ist eine Mischung aus Konzertmitschnitt und Dokumentation über Rufus' und Marthas Mutter; ähnlich wie die Doku Leonard Cohen: I'm Your Man, die von der selben Regisseurin stammt und in der sowohl Rufus und Martha, als auch Kate McGarrigle zu sehen sind. Rufus und Martha durchstöberten das Familienarchiv für den Film und organisierten zwei Konzerte zu Ehren von Mutter Kate, von denen die Konzertmitschnitte stammen. Die Konzerte fanden im Mai 2011 in New York City statt. Familie und befreundete Musiker sangen Kates Songs.

Der Film soll im Laufe dieses Jahres auf DVD erscheinen und auch eine CD ist geplant.

30. Dezember 2012

Cigarettes And Chocolate Milk

Dieser - schon kurz in meinem Einführungspost erwähnte - Song ist einer der bekanntesten von Rufus Wainwright. Und er ist ein guter Einstieg in seine Musik. Er bietet vieles von dem, was seine Musik so einzigartig macht. Seine Stimme klingt episch, die Klavierbegleitung ist verspielt, die Studioversion weist grandiose Orchestrierungen auf und der Text ist sehr persönlich.

Es geht um Sucht, um eine Suchtpersönlichkeit. Das nicht mehr aufhören können, das harmlose, aber auch gefährliche Dinge betrifft. Rufus hat umfangreiche Bekanntschaft mit der Sucht gemacht. Er versuchte zuweilen, seinen psychischen Schmerz - ausgelöst von einem traumatischen Erlebnis - mit harten Drogen zu therapieren. Die gefährlichen Seelentröster kosteten ihn kurzzeitig sein Augenlicht. Daraufhin begab er sich in richtige Therapie - mit der Hilfe von Elton John, der ihm ein Jahr nach erfolgreicher Therapie einen einzeln angefertigten Ring schenkte.

Cigarettes And Chocolate Milk ist einer von vielen Songs, die zeigen, was für ein fantastischer Beobachter Rufus Wainwright ist. Eine seiner Stärken ist es, die Dinge zu beschreiben, wie sie nunmal sind.

http://www.youtube.com/watch?v=mmo6fHn--DY

8. Dezember 2012

Eine besondere Begegnung

Wir waren nur so ca. zehn bis zwölf Leute, die den Weg zum Bühnenausgang der Laeiszhalle fanden. Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis wir Rufus hinter der offenen Tür erblickten. Er sah zu uns raus und verschwand. Ein paar Minuten später tauchte er wieder auf, mit einem Stift in der Hand und dem süßesten und strahlendsten Lächeln im Gesicht, das die Welt je gesehen hat. Er sagte "hi" und fing an, Autogramme zu schreiben und für Fotos zu posieren. Berührungsängste schienen ihm fremd zu sein. Er schüttelte jedem zur Begrüßung die Hand und ließ sich umarmen. Er wirkte äußerst interessiert und aufmerksam und entspannt, seine blauen Augen schauten sich wach um.

Nicht überraschenderweise kam so ziemlich jeder vor mir zum Zug, obwohl ich mich mutig im Vordergrund hielt und auf meine Chance wartete. Rufus hätte mich stille Person leicht übersehen können. Doch plötzlich stand er vor mir, schaute mich an und streckte mir seine Hand entgegen. Ich nahm seine Hand und setzte dann zu einer Umarmung an. Er beugte sich zu mir herunter und ich konnte nicht widerstehen und küsste ihn auf die Wange. Dann kümmerte er sich ganz von sich aus darum, dass ich ein Foto mit ihm bekam. Einer meiner Freunde machte es und schickte es mir später. Rufus signierte noch mein Ticket und nahm den Umschlag entgegen, den ich für ihn vorbereitet hatte.

Schließlich verschwand er in die Nacht und ließ mein Herz überwältigt zurück.

4. Dezember 2012

28.11.2012, Laeiszhalle, Hamburg

Es war bereits 22:15 Uhr, als Rufus Wainwright nach zwei Voracts - Krystle Warren und Adam Cohen - die Bühne betrat. Wieder war diese anfangs nur von Kerzen beleuchtet und ein feierliches Candles läutete die Show ein - natürlich a cappella. Was für ein besonderer Genuss. Das Konzert war ebenso abwechslungsreich wie das in Berlin. Teddy und Krystle sangen wieder eindrucksvoll ihre Kate-Songs. Bei One Man Guy übertrafen sich Rufus, Teddy und Charysse wieder gegenseitig. Und Rufus sang einen Judy-Garland-Song, The Man That Got Away. Eindrucksvoll.

Ein paar Songs wurden ausgetauscht. Besonders freute ich mich über Grey Gardens und Cigarettes And Chocolate Milk. Adam Cohen durfte nochmal wiederkommen und die Band sang gemeinsam Everybody Knows von Papa Leonard Cohen.

Rufus erzählte, dass sein Ehemann Jörn - der in Hamburg geboren wurde - leider nicht da sei, weil er beschäftigt sei. Er gab zu, dass er immernoch nicht mehr als einzelne Worte Deutsch kann (Eichhörnchen und Erwachsener waren unter denen, die er versuchte, auszusprechen), wo doch Jörn so gut Englisch spreche. Er machte auch Werbung für Schwester Martha, die gerade ein neues Album herausgebracht hat, und legte dem Publikum nahe, sie live zu sehen.

Fünf Minuten nach Mitternacht war ein wundervoller Abend schließlich zu Ende. Naja, noch nicht ganz.

3. November 2012

Matinee Idol

River Phoenix war ein sehr talentierter junger Schauspieler und der ältere Bruder von Joaquín Phoenix. Er starb 1993 im Alter von nur 23 Jahren an einem Drogencocktail. Der junge Rufus hatte ihn in dem Film My Private Idaho gesehen und schwärmte von ihm.

Rufus schrieb Matinee Idol über River und seinen Tod. Der Song klingt sehr verspielt, die Studioversion hat gar etwas cabarethaftes. Passend für einen Song über einen Filmstar.

http://www.youtube.com/watch?v=Aw8VEsUMutM

Matinee Idol - Rufus Wainwright

29. September 2012

Rufus und die Medien

Es gibt Journalisten, die bringen es fertig, Rufus Wainwright als selbstverliebte Diva darzustellen. Ich habe den Verdacht, dass da eine ordentliche Portion Zynismus dahintersteckt. Nun gibt es so einiges auf der Welt, das bei einem kritischen, sensiblen Beobachter zurecht Zynismus heraufbeschwört. Rufus Wainwright gehört nicht dazu.

Die wahren Diven des Showbiz beantworten heutzutage keine Frage mehr, ohne dass diese vorab übermittelt, vom Management geprüft, die Antwort mit dem Management abgesprochen und am besten noch von einem Anwalt abgesegnet wurde. Und wehe, ein Interviewer weicht mal ein wenig vom Schema ab. Dann ist sofort Schluss.

Im Gegensatz dazu ist Wainwright jemand, mit dem man sich normal unterhalten kann. Er ist offen und ehrlich und man muss ihm nicht alles aus der Nase ziehen. Man wirft ihm allenfalls ein paar Stichworte hin und erhält intelligente, ausführliche, interessante Antworten, in denen auch der Humor nicht zu kurz kommt. Er erzählt bereitwillig, was es Neues gibt. Dafür treffen sich die Interviewer doch mit ihm - und profitieren von seiner Redseligkeit.

Man sollte meinen, Rufus ist geradezu der Traum aller Interviewer. Natürlich nur, wenn diese ehrlich an ihm interessiert sind. Ansonsten sollen sie lieber dümmliche Popsternchen interviewen.

Sicher, Wainwright mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Er weiß, dass er was kann, und macht keinen Hehl daraus. Er soll einmal gesagt haben, das einzige, das schlimmer sei als Arroganz, sei falsche Bescheidenheit. Rufus war gerademal 14 Jahre alt, als er seinen ersten selbstgeschriebenen Song herausbrachte - selbst gesungen in einem kanadischen Jugendfilm - und dafür für den Genie-Award nomminiert wurde. Es heißt, seine Mutter (bekanntermaßen selbst erfolgreiche Musikerin) sei sein größter Fan, aber auch seine größte Kritikerin gewesen. Sie brachte ihm bei, sich selbst realistisch einzuschätzen.

Vielleicht hat es ja auch damit zu tun, dass man in der Scheinwelt des Showbiz jemanden wie Rufus nicht gewohnt ist. Möglicherweise kann sich Mancher - vor allem, wenn er sich einen gewissen zynischen Blick auf die Dinge zu Eigen gemacht hat - nicht vorstellen, dass Wainwright tatsächlich echt ist.

Erfreulicherweise habe ich auch schon den Bericht eines Interviewers lesen dürfen, der beschrieb, wie Wainwright es mühelos schafft, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der man das Gefühl hat, keinem Fremden, sondern einem Freund gegenüber zu sitzen.

Für Berufszyniker ist Rufus Wainwright eine selbstverliebte Diva. Für alle anderen einfach herzerfrischend.

Hier ist Teil 1 von 4 eines Interviews im Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin:
http://www.youtube.com/watch?v=tks1vK_WbSs

23. August 2012

Alone Together

"Our love is as deep as the sea"

Am 22. November 2010 gab Rufus Wainwright beim Konzert in der Royal Albert Hall in London seine Verlobung mit Jörn Weisbrodt bekannt, bevor er ihm - nicht zum ersten Mal - den Song "Alone Together" widmete.

Zum damaligen Zeitpunkt war es in ihrer Heimat New York gleichgeschlechtlichen Paaren noch gar nicht erlaubt, zu heiraten. Die Verlobung war schlicht ein offizielles Bekenntnis Wainwrights zu seinem Lebensgefährten - zu einem Zeitpunkt, als er wusste, dass er bald Vater werden würde. Jörn sollte in dieser ungewöhnlichen Familie seinen offiziellen Platz haben.

Im Sommer 2011 geschah dann etwas, mit dem nicht viele gerechnet hatten. Gleichgeschlechtliche Ehen wurden in New York legalisiert. Die ersten Eheschließungen fanden ziemlich genau vor einem Jahr statt. Mitte November gab Rufus bei einem Auftritt bekannt, dass er und Jörn sehr bald in New York heiraten würden.

Neun Monate später ist es nun so weit. Rufus und Jörn heiraten heute in ihrem Haus in Montauk auf Long Island, New York.

Möge ihre Liebe für immer so tief wie das Meer bleiben.

Rufus Wainwright - Alone Together (Royal Albert Hall 22 Nov 2010)

1. August 2012

Sometimes You Need

Sometimes You Need ist so etwas wie der Sommersong auf Rufus Wainwrights neuem Album. Aber er ist kein Partysong. Er klingt eher nach einem gedankenverlorenen, etwas weltverdrossenen Abend am Strand. Vor einem das Meer, hinter einem die Lichter der Großstadt und in einem brodeln die Gedanken einsam vor sich hin. Über einem die Sterne - fehlt nur noch ein Fremder, dem man sein Herz ausschütten kann, der zuhört, ein paar verständnisvolle und aufmunternde Worte sagt und dann im Nirgendwo verschwindet.

Sometimes You Need ist unaufdringlich, natürlich, sanft und ausdrucksstark zugleich. Man möchte sich in dieses Lied fallen lassen und die Welt vergessen.

Auf der Studioversion ist Sean Lennon an der Akustikgitarre zu hören. Außerdem gibt es gegen Ende des Songs eine Instrumentalsequenz mit Oboe und Streichern zu hören, die die Stimmung des Songs wunderschön auf den Punkt bringt.

http://www.youtube.com/watch?v=aZ_0l0vlJEk
Sometimes You Need - Out of the Game